Skiurlaub- günstig mit FeWo-direkt
Hotelsuche in 
 

Erben in der EU vereinfacht

Europa, Brüssel
22.03.2012
Von Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Hintergrund-Interview mit Anton Steiner, Spezialist für Erbrecht
Streit und Probleme bieten viele Erbfälle - chaotisch aber kann es werden, wenn der Erblasser im Ausland lebte oder Vermögen in anderen Ländern besaß. Eine neue EU-Verordnung, die das Europäische Parlament gerade verabschiedet hat, soll das Erben in Fällen mit Auslandsbezug künftig einfacher machen.
Galerie
Das Deutsche Forum für Erbrecht erläutert die Verordnung und gibt Tipps, was Betroffene jetzt beachten sollten. Dr. Anton Steiner ist Präsident des Vereins und Fachanwalt für Erbrecht.
Einer der Eckpfeiler des deutschen Erbrechts ist das Pflichtteilsrecht für nahe Angehörige, nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichts ist dieses Recht sogar von der Verfassung geschützt. Das englische Recht hingegen kennt keinen Pflichtteil. Kinder des Erblassers können hier also vollständig enterbt werden.

Wie beurteilen Sie die neue EU-Verordnung?
Anton Steiner: „Das Deutsche Forum für Erbrecht begrüßt die Verordnung. Die hohe Zahl von jährlich etwa 450.000 Erbschaften in der EU mit Auslandsbezug zeigt, dass es höchste Zeit war für eine einheitliche europäische Regelung. Das Erben in Europa wird damit einfacher, außerdem besteht für die Erben und künftige Erblasser mehr Rechtssicherheit, weil nun von vornherein klar ist, welche Rechtsordnung und welche Gerichte und Behörden im Erbfall zuständig sind. Die neue Regelung ist auch im Hinblick auf die Integration ausländische Mitbürger in Deutschland zu begrüßen: Deren Nachlass wird künftig nach denselben Gesetzen abgewickelt wie der eines inländischen Erblassers.

Wäre es nicht einfacher gewesen, gleich das eigentliche Erbrecht europaweit zu vereinheitlichen?
Anton Steiner: Eine solche Vereinheitlichung ist derzeit nicht vorstellbar. Das Erbrecht ist in den verschiedenen EU-Staaten sehr unterschiedlich – Unterschiede, die in besonderem Maße wertgeprägt sind. Nur ein Beispiel: Einer der Eckpfeiler des deutschen Erbrechts ist das Pflichtteilsrecht für nahe Angehörige, nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichts ist dieses Recht sogar von der Verfassung geschützt. Das englische Recht hingegen kennt keinen Pflichtteil. Kinder des Erblassers können hier also vollständig enterbt werden. In Deutschland ist das grundsätzlich nicht möglich. Ein europäische Angleichung nach englischem Vorbild stieße deshalb bei vielen Menschen hierzulande auf großes Unverständnis. Ein gemeinsames europäisches Erbrecht ist wegen solcher Wertungsunterschiede auf Jahrzehnte hinaus nicht in Sicht.

Was muss man tun, wenn man im Ausland lebt und trotzdem nach deutschem Recht vererben will?
Anton Steiner: Die Verordnung sieht ein Wahlrecht vor: Der Erblasser kann testamentarisch bestimmen, dass sein Nachlass nach dem Recht seines Heimatstaats abgewickelt wird, obwohl er in einem anderen Land lebt. Ich empfehle den Betroffenen, sich im Zweifel beraten zu lassen und gegebenenfalls bereits jetzt vorsorglich in einem Testament deutsches Erbrecht zu wählen. Damit sind sie gewappnet, wenn die Verordnung in voraussichtlich drei Jahren in Kraft tritt.

Kann ich für meinen Nachlass auch das Erbrecht eines dritten europäischen Landes wählen, obwohl ich dort gar nicht wohne – etwa um Erbschaftssteuer zu sparen oder um Pflichtteilsansprüchen klein zu halten?
Anton Steiner: Nein, das ist nicht möglich. Das in der Verordnung vorgesehene Wahlrecht gilt nur für die Wahl zwischen dem Erbrecht der Staatsangehörigkeit und dem Erbrecht des Wohnsitzes. Die Wahl einer dritten Rechtsordnung, die für den künftigen Erblasser besonders günstig ist, ist ausgeschlossen.

Muss ich befürchten, dass mein schon vor längerer Zeit errichtetes Testament wegen der Verordnung womöglich ungültig wird?
Anton Steiner: Meist besteht kein Grund zur Sorge. Ein Testament, das – egal wann und in welchem Mitgliedstaat – nach den damals geltenden erbrechtlichen Vorschriften ordnungsgemäß und formgültig errichtet wurde, bleibt auch nach Inkrafttreten der Verordnung gültig. Aber es kann zu Auslegungsproblemen kommen, wenn das Testament mit den Begriffen des damaligen Rechts verfasst wurde und beispielsweise Vor- und Nacherbschaft anordnet, dann aber das Wohnsitz-Recht – zum Beispiel das spanische Recht – zum Zug kommt, das diese Begriffe gar nicht kennt. In solchen Fällen sollten Auslandsdeutsche daher von dem in der Verordnung vorgesehenen Wahlrecht Gebrauch machen und deutsches Erbrecht wählen.

Der Gesetzgebungsprozess im Überblick

 

Kommentare zu diesem Artikel
 
Neuer Kommentar
Name *
Email * (wird nicht öffentlich angezeigt)
Kommentar
* Pflichtangaben
 
Diesen Artikel empfehlen

Absender Empfänger Nachricht (optional)
Name
E-Mail

Name
E-Mail
   
 
 
Tipps der Redaktion aus dem Nachrichtenportal
 
NACHRICHTEN
Die Vorweihnachtszeit ist erfüllt vom Duft nach süßen Leckerein und dem himmlischen Klang der unzähligen Weihnachtslieder, die jedes Jahr die Vorfreude auf das Fest der Liebe begleiten. Der Himmel öffnet seine Tore und bedeckt die Straßen und
Modedesigner Jason Wu... Die Leidenschaft packt er ins Rot ein. Für Romatik und Liebe stehen bei ihm Pastellfarben. Zorn versteckt er hinter beinahe puristischen klaren Linien. Was macht diesen Modedesigner so außergewöhnlich? Steckt
Das UNESCO-Komitee für die Bewahrung des immateriellen Kulturerbes reihte vor kurzem auf seiner auf der indonesischen Insel Bali abgehaltenen Sitzung den stummen Reigen aus dem Dalmatinischen Hinterland - „Nijemo Kolo“ und den witzigen
Kocani Orkestar und Erben von Django Reinhardt Highlights des 14. Jahrgangs. In Prag hat am Montag der 14. Jahrgang des internationalen Festival der Musik und Kultur der Roma Khamoro ("kleine Sonne") begonnen. Den Auftakt setzte eine
Die einen können vor Kraft kaum laufen, die anderen kommen gerade aus dem Wettbüro. Das Spiel eignet sich prototypisch für ein Comic von Ralph König: Testosteron-geschwängerte Luft in Gdánsk, wenn die spanischen Zwergstiere auf die letzten
Papst Franziskus hat eine gewisse Flexibilität in Bezug auf die ablehnende Haltung der katholischen Kirche gegenüber Kondomen angedeutet. Bangui/Rom (dpa) - Die Frage, ob der Gebrauch von Kondomen zur Vermeidung von HIV-Infektionen erlaubt
 
Tipps der Redaktion aus dem Reiseportal
 
REISEPORTAL
1) Alpen: Wer hoch hinaus möchte, muss noch nicht einmal bergsteigen, die Zugspitzbahn reicht, um das 2962 Meterhohe Dach Deutschlands mit seinen 22 schneesicheren Skipisten-Kilometern zu erklimmen. Wer sich nichts aus dem weißen Sport
Die älteste Quelle für das Wort „Israel" ist die ägyptische Merenptah-Stele (heute im Ägyptischen Museum in Kairo). Sie beschreibt einen Feldzug gegen ein Volk Israel im Lande Kanaan und wird auf das Jahr 1211 v. Chr. datiert. Die
Makedonien (gelegentlich auch Mazedonien) ist ein geographisches und historisches Gebiet auf der Balkanhalbinsel. Es hat eine Fläche von etwa 67.000 km² und eine Bevölkerung von ca. 5 Millionen. Es gibt keine amtliche Anerkennung von dessen
In Island gibt es ein Sprichwort: “Ein Mensch ohne Bücher ist blind”. Seine Nase in Island allerdings nur in Bücher zu stecken, wäre fatal. Island – das Land, in dem 10.000 Wasserfälle in die Tiefe stürzen und wo Gletscher und Vulkane des
Davon wird man noch seinen Enkeln erzählen: Gletscherwanderungen und Gebirgsreisen in Island sind ansich schon ein Abenteuer – wer den ultimativen Trip sucht, findet ihn in der Gletscherzunge Sólheimajökull. Der Eisausflug auf den
Was weiß man eigentlich über dieses Land am Rande Europas mit Namen Portugal? Begnadete Fußballer wie Figo und Ronaldo kommen dort her, der weltberühmte Portwein natürlich, Schriftsteller Chriwie Saramango Josè und Fernando Pessoa. Man könnte

Money, Money, Money

Wetter

Bakı


(01.04.2020 00:34)

7 / 10 °C


02.04.2020
7 / 9 °C
03.04.2020
6 / 8 °C
powered by wetter.com
Börsenberichte

Agenda - The Week Ahea ...
Agenda - The Week Ahea ...

Afghan Farah Governor ...
Ministry Warns Cinema ...

...
Elektronotdienst in Ha ...

...
Die langen Winter in S ...

Goldene Stadt an der M ...
Polyphone Power aus Fr ...

© europe online publishing house GmbH, Weiden, Germany, info@europeonline-magazine.eu | Impressum