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Lille

Frankreich, Lille
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"Lille" (deutsch selten, veraltet "Ryssel", niederländisch "Rijsel") ist eine Stadt in Nordfrankreich. Sie ist Hauptort des Départements Nord und der Region Nord-Pas-de-Calais.

Geographie
Lage der Stadt Lille innerhalb Frankreichs und des Départements Nord
Klimadiagramm Lille 1851–1897
Klimadiagramm Lille 1981–1990

Die Stadt liegt am Fluss Deûle an der Grenze zu Belgien in Französisch-Flandern, dem heute zu Frankreich gehörenden Teil der historischen Grafschaft Flandern.

Bevölkerung

Die Stadt Lille zählt mit den Gemeinden Lomme und Hellemmes 226.800 Einwohner (nach einer Schätzung aus dem Jahr 2004). Im Ballungsgebiet um Lille, zu dem unter anderem seine Nachbarstädte Roubaix und Tourcoing und die 1970 gegründete Trabantenstadt Villeneuve-d’Ascq gehören, leben mehr als 1,1 Millionen (1999) Einwohner. Diese Metropolregion, die Lille Métropole Communauté urbaine ist von den Einwohnerzahlen her gesehen das drittgrößte Ballungsgebiet nach Paris und Lyon und steht bezüglich der Einwohnerdichte in Frankreich an zweiter Stelle.

Lille ist die Stadt mit dem höchsten Bevölkerungsanteil an Studenten, je nach Zählweise sind es zwischen 90.000 und 110.000 an der Université Lille Nord de France.

Geschichte
Der Name Lille stammt daher, dass die Stadt auf der Insel im Fluss lag ("Lille" = "L"Île" ("die Insel"); ndl. "Rijsel" = "Ter ijsel" ("zur Insel")).

Erstmals erwähnt wurde Lille im Jahre 1054, auch wenn eine lokale Legende (um Lydéric und den Riesen Phinaert) die Gründung auf das Jahr 640 verlegt.

1214 fand bei Bouvines, unmittelbar vor den Toren Lilles, die entscheidende Schlacht zwischen den Staufern und Kapetingern auf der einen und den Welfen auf der anderen Seite statt, die der französische König Philipp II. August für sich entscheiden konnte.

Lille gehörte seit Beginn zum französischsprechenden Teil der Grafschaft Flandern, die durch das Tuchmachergewerbe eine der wohlhabendsten Landschaften Europas war. 1235 erließ Gräfin Johanna von Flandern eine Charta für Lille, wonach der Bürgermeister der Stadt vom Landesherrn zu bestimmen war. Auf Johanna ist auch die Gründung des heute nach ihr benannten Hospizes 1236 zurückzuführen. 1304 kam Flandern unter die direkte Verwaltung Frankreichs, fiel aber 1384 an das Haus Burgund, das die Stadt neben Brüssel und Dijon zu einer seiner drei Residenzstädte machte.
Lille, Place du Général de Gaulle
Die Handelskammer („chambre de commerce“)
Straße in Lille 1914 nach Kämpfen
Der Innenhof der „Vieille Bourse“ (Alte Börse)
Karte der Stadt und Festung Lille aus dem Jahre 1708
1425 hatte Lille etwa 25.000 Einwohner. Nach dem Erlöschen der burgundischen Dynastie in männlicher Linie gehörte die Stadt seit 1477 zum habsburgischen Machtbereich und war seit 1555 Teil der Spanischen Niederlande. 1542 tauchten in Lille die ersten calvinistischen Protestanten auf, gegen die die Spanier ab 1560 gewaltsam vorgingen. Während des Devolutionskrieges begannen Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. am 28. August 1667 mit der Belagerung von Lille, bis die Garnison am 25. September desselben Jahres kapitulierte. Im Frieden von Aachen 1668 wurde die Zugehörigkeit Lilles zu Frankreich anerkannt.
In der Folgezeit wurden die Befestigungsanlagen der Stadt durch den französischen Ingenieur Sébastien Le Prestre de Vauban verbessert. Vauban ließ eine pentagonale Zitadelle erbauen, die als eine der stärksten in Europa galt. Außerdem entstanden die neuen Stadtviertel Saint-André und Madeleine. Im Spanischen Erbfolgekrieg zwischen Frankreich und einem Bündnis aus österreichischen Habsburgern, Großbritannien und den Vereinigten Provinzen der Niederlande war Lille erneut umkämpft. Im Jahr 1708 nahmen Truppen der Allianz die Stadt ein, während die Festung zunächst von 15.000 französischen Soldaten unter Marschall de Boufflers gehalten wurde, der sich aber nach fünf Monaten Belagerung ergeben musste. Im Frieden von Utrecht 1713 durfte Frankreich dann aber Lille behalten.

Im Verlauf der Französischen Revolution erhielt Lille die erste gewählte Stadtverwaltung. Ein Angriff der Österreicher konnte zurückgeschlagen werden. 1804 wurde Lille Sitz der Verwaltung des Départements Nord, 1846 bekam die Stadt einen Eisenbahnanschluss. Durch die Industrialisierung, die in dieser Region sowohl durch eine Mechanisierung des Textilgewerbes als auch durch einen zunehmenden Kohlebergbau gekennzeichnet war, wuchs die Stadt weiter an; im Jahre 1858 wurden daher die Orte Fives, Wazemmes, Moulins und Esquermes eingemeindet, sodass Lille 1872 bereits 158.000 Einwohner zählte. Durch die Industrialisierung erstarkte aber auch die Arbeiterbewegung, wobei Lille die erste Stadt Frankreichs war, die 1896 mit Gustave Delory einen sozialistischen Bürgermeister erhielt.

Im Ersten Weltkrieg war Lille von Oktober 1914 bis Oktober 1918 deutsch besetzt und durch die Nähe zur Front starken Zerstörungen ausgesetzt. Die Stadt wurde schließlich durch britische Truppen des Generals Birdwood befreit, der daraufhin die Ehrenbürgerwürde der Stadt erhielt. Im Zweiten Weltkrieg marschierten deutsche Truppen im Mai 1940 in Lille ein, das in der Folge nicht der Militärverwaltung für Frankreich, sondern, wie das gesamte Département, der für Belgien unterstellt wurde. Nach der Landung der Alliierten in der Normandie konnte Lille am 3. September 1944 von den Deutschen befreit werden.

Mit der beginnenden Krise der Schwerindustrie in den 1960er Jahren wandte sich Lille zunehmend dem Dienstleistungssektor zu.

Politik

Bürgermeister
Bürgermeisterin von Lille ist seit 2001 Martine Aubry (PS). Ihr Mandat endet im März 2014. Sie ist Nachfolgerin von Pierre Mauroy, der fast 30 Jahre als Bürgermeister amtierte und zeitweise auch Premierminister Frankreichs war.

Städtepartnerschaften
Lille unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden Städten:
* Charkiw, Ukraine
* Erfurt, Deutschland seit 1991
* Esch-sur-Alzette, Großherzogtum Luxemburg
* Köln, Deutschland
* Leeds, Großbritannien
* Lüttich, Belgien
* Nablus, Palästinensische Autonomiegebiete
* Oujda, Marokko
* Rotterdam, Niederlande
* Safed, Israel
* Saint-Louis, Senegal
* Sassenberg, Deutschland
* Shanghai, Volksrepublik China für das China-Kulturjahr in Frankreich
* Turin, Italien
* Valladolid, Spanien
* Löbau, Deutschland
* Jüchen, Deutschland

Kultur
Lille war – zusammen mit Genua – Kulturhauptstadt Europas des Jahres 2004. Seit 1976 besteht das Orchestre national de Lille.

"Museen in Lille":

Lille, Musée de l"Hospice Comtesse
* Musée Charles de Gaulle
* Musée d´Arts Populaires de Lille-Sud
* Musée de l`Hospice Comtesse
* Musée de l´Institut Pasteur
* Musée des Beaux-Arts
* Musée des Cannoniers Sédentaires
* Musée d´Histoire Naturelle et de Géologie
* Musée Diocésan d´Art Religieux
* Musée Industrial et d´Ethnologie
* Palais Rihour

Sport
1997 hatte sich der Großraum Lille vergeblich für die Olympischen Spiele 2004 beworben.

Der Fußballclub OSC Lille Métropole (LOSC) spielt in der ersten französischen Liga und nahm in der Saison 2005/2006 an der UEFA Champions League teil, wo er Manchester United in der Gruppenphase hinter sich ließ. Lille MHC ist ein bedeutender Hockeyclub.

Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaftszweige
Das Ballungsbgebiet um Lille, Roubaix und Tourcoing ist traditionell ein wichtiges Zentrum der Textilindustrie.

In Lille existieren 8.341 Betriebe (im Großraum 31.496), von denen 57% im Dienstleistungsbereich tätig sind, 34% im Handel und 9% in der Industrie. Dabei dominieren mit 90% Kleinbetriebe mit weniger als 10 Beschäftigten.

Die Region in und um Lille ist darüber hinaus für ihren Maschinenbau bekannt. So befindet sich hier eine sehr bekannte technische Universität. Rund um Lille befinden sich zahlreiche Werke der französischen Automobilindustrie und eines von Toyota.

Stadtentwicklung
Das städtische Entwicklungsprojekt Euralille, mit dem Zentrum des neuen TGV-Bahnhofes hat eine lange Debatte unter Bürgern Lilles ausgelöst.

Verkehr
Bekrönung des Pariser Tores, 1685/92, Lille, zur Glorifizierung der Einnahme Lilles durch Ludwig XIV., 1667
Lage von Lille im europäischen Eisenbahnnetz
Lille ist ein wichtiger Kreuzungspunkt im europäischen TGV-Netz: es liegt auf der Linie des Eurostar nach London und des Thalys nach Amsterdam und Köln.

Lille besitzt auch eine der ersten und längsten automatischen U-Bahnen der Welt. Diese wird, wie die Straßenbahn "Tramway" und die Omnibusse, durch die Transpole betrieben.

Lille liegt an 5 Autobahnen, die die Stadt mit Antwerpen (A22), Brüssel (A27), Valenciennes (A23), Paris (A1) und Calais (A25) verbinden.
Südöstlich der Stadt liegt der Flughafen Lille, der ca. 900.000 Passagiere pro Jahr mit innerfranzösischen Direktverbindungen und Charterverkehr verzeichnet. Er ist zudem der drittgrößte Frachtflughafen in Frankreich mit ungefähr 55.000 Tonnen Fracht im Jahr. Der Hafen an der Deûle ist nach den Häfen Paris und Strasbourg der drittgrößte Binnenhafen Frankreichs.

Bildung
Die Stadt verfügt über vier Universitäten, mit insgesamt etwa 110.000 Studenten in der Université Lille Nord de France (nämlich die drei Campus-Universitäten: Universität Lille I, Universität Lille II, Universität Lille III) und die Katholische Universität Lille. Auch ist in Lille die École centrale de Lille, eine berühmte französische Ingenieurschule, die 1854 gegründet wurde.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt
* Alain Abbott (*1938), Komponist und Akkordeonspieler
* Étienne Bacrot (*1983), Schachspieler
* Émile Bernard (1869-1941), Maler
* François Boucq (*1955), Comiczeichner
* Emile Auguste Carolus-Duran (1837-1917), Maler
* Madeleine Damerment (1917-1944), Widerstandskämpferin
* Alain Decaux (*1925), Historiker
* Victor Delannoy (1825-1887), Komponist und Musikpädagoge
* Jean Dieudonné (1906-1992), Mathematiker
* Maryvonne Dupureur, Leichtathletin und Olympionikin
* Julien Duvivier(1896-1967), Autor und Regisseur
* Louis Faidherbe (1818-1889), General
* Charles de Gaulle (1890-1970), General und Staatsmann
* Philippe Noiret (1930-2006), Schauspieler
* Matthias de L’Obel (1538-1616), Botaniker
* Édouard Lalo (1823-1892), Komponist
* Patrick Leclercq (*1938), Regierungschef und Außenminister von Monaco
* Achille Liénart (1884-1973), Kardinal
* Charles-Joseph Panckoucke (1736-1798), Schriftsteller und Verleger
* Jean-Baptiste Perrin (1870-1942), Physiker und Nobelpreisträger
* Dominique Plancke (*1957), Politiker
* Roger Salengro (1890-1936), Politiker
* Albert Samain (1858-1900), Lyriker
* René Vierne(1878-1918), Organist und Komponist
* Emmanuel Villanis (185-1914), Künstler
* Gaston Waringhien (1901-1991), Sprachwissenschaftler


Dieser Artikel stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und kann dort bearbeitet werden. Der Text ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Fassung vom 28.01.2020 04:20 von den Wikipedia-Autoren.
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